16. Juni 2017

Es geht darum, Lebensqualität zurückzugewinnen

Der plastische Chirurg Dr. Edgar Gopp räumt mit dem Vorurteil auf, dass sein Alltag hauptsächlich aus Brust-OPs besteht. Im Grundsatz gehe es darum, seinen Patienten zu ermöglichen, wieder ein normales Leben zu führen.

Es geht darum, Lebensqualität zurückzugewinnen

Dr. Edgar Gopp ist Facharzt für plastische Chirurgie & Traumatologie mit eigener Praxis in Schaan und Belegarzt an der Medicnova Privatklinik in Bendern: „Man muss die Menschen aufklären, dass vieles, das machbar ist, oft gar nicht notwendig ist.“

Herr Gopp, wenn man von plastischer Chirurgie spricht, denken die meisten erst einmal an Brustvergrösserungen. Wie viel Wahrheit steckt in diesem Vorurteil?

Dr. Edgar Gopp: Die ästhetische Chirurgie – insbesondere die Brustchirurgie – ist ein Schwerpunkt der plastischen Chirurgie. Es ist kein Tabuthema mehr, sich die Brüste machen zu lassen und es besteht eine grosse Nachfrage. In meinen Fachbereich fällt aber weit mehr als das. Ausserdem geht es bei der Brustchirurgie nicht nur um Vergrösserungen. Es gibt relativ viele Frauen, die angeborene Missbildungen haben, wie etwa, dass eine Brust wesentlich kleiner ist als die andere. Daneben kommen viele Brustkrebs-Patientinnen zu mir, denen ein Teil oder die gesamte Brust entfernt werden musste.

Das klingt nicht danach, als müssten wir uns in Sachen Brustvergrösserungen auf amerikanische Verhältnisse einstellen.

Die Geschmäcker sind bei diesem Thema schon sehr verschieden. In den USA wünschen sich die meisten, dass man es sieht, wenn sie beim plastischen Chirurgen waren. In Europa ist das Gegenteil der Fall.

Lehnen Sie Wünsche von Patienten manchmal auch ab?

Man muss die Menschen aufklären, dass vieles, das machbar ist, oft gar nicht notwendig ist. Ein seriöser Arzt zieht eine Grenze. Insbesondere bei der ästhetischen Chirurgie ist es sehr wichtig, dass zwischen Arzt und Patient ein Vertrauensverhältnis besteht, um eine entsprechende Gesprächsbasis zu haben.

Wie sieht eigentlich ein typischer Patient von Ihnen aus?

Den typischen Patienten gibt es nicht. Ein Satz, den aber viele zu mir sagen, ist: „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal bei einem plastischen Chirurgen landen werde.“ Die meisten haben eben das eingangs geschilderte einseitige Bild im Kopf. Man sollte die Schönheitschirurgie nicht mit plastischer Chirurgie gleichsetzen, da gibt es sehr grosse Unterschiede.

Welche Schwerpunkte prägen denn Ihren Arbeitsalltag?

Ich bekomme beispielsweise viele Patienten zugewiesen, die weissen oder dunklen Hautkrebs haben. Grundsätzlich ist es auch für einen Hausarzt kein Problem, die betroffenen Stellen herauszuschneiden. Sobald die Tumore aber im Gesicht oder an der Hand zu finden sind, kommen die Patienten zu mir. Das ist eine sehr diffizile Arbeit. Die Spezialausbildung zum plastischen Chirurgen dauert nicht umsonst mindestens sechs Jahre.

Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit ist die Hand- und Nervenchirurgie. Es gibt beispielsweise Kinder, die kommen mit sechs Fingern an einer Hand zur Welt. Ausserdem können in der Hand verschiedene Funktionsstörungen auftreten, welche wir mit einem chirurgischen Eingriff beheben können. Und auch Menschen, die Verbrennungen im Hand- oder Gesichtsbereich erleiden, gehören in die Hände eines plastischen Chirurgen. Sonst riskiert man entsprechende Narben – und jeder kann sich vorstellen, wie unangenehm es ist, eine gut sichtbare Narbe im Gesicht zu haben.

Im Kern geht es bei Ihrer Arbeit also darum, die Lebensqualität zu erhöhen.

Das kann man so sagen, ja. Sowohl was das äussere Erscheinungsbild angeht als auch die Funktion. Es geht darum, dass der Patient Lebensqualität zurückgewinnt und wieder ein normales Leben führen kann.

Kategorien: Medicnova in den Medien TAGs: plastische chirurgie